Datum
„Ich hab schon alles probiert – geführte Meditation, mich einfach hinsetzen, atmen – aber es funktioniert einfach nicht.“ Diesen Satz höre ich in meiner Praxis wirklich oft.
Vielleicht kommt dir das bekannt vor: Du setzt dich hin, willst kurz meditieren, atmest ein paarmal tief und schwupps – bist du wieder in Gedanken. „Was koche ich später?“, der Konflikt, der immer noch nachhängt, der Termin, der dich seit Tagen stresst. Nach ein paar Minuten denkst du nur noch: Irgendwas mache ich falsch.
Ich kann dich beruhigen: Du machst absolut nichts falsch.
3 häufige Fehlannahmen über Meditation
Meine ersten Mediationserfahrungen waren exakt so. Ich hab versucht, still zu sitzen und an nichts zu denken – und sofort kam ein Gedanke, dann der nächste, dann wieder Anspannung und am Ende fühlte ich mich eher schwindelig als entspannt.
Erst später habe ich verstanden, dass Meditation nicht bedeutet, dass keine Gedanken kommen – sondern dass wir lernen, sie als das zu sehen, was sie sind: einfach Gedanken.
Vor allem, wenn du viel nachdenkst, analysierst oder dich selbst schnell hinterfragst, kann Meditation wirklich hilfreich sein. Aber genau dann kann sie am Anfang auch frustrierend sein. Um dir ein paar Umwege zu ersparen, hier die drei häufigsten Fehlannahmen, die Meditation schwieriger machen, als sie sein müsste.
01 - Wir glauben, Meditation muss ruhig & entspannt sein
Viele gehen mit der Vorstellung rein, dass Meditation automatisch Ruhe bringen muss. Wenn das nicht passiert, fühlt es sich sofort falsch an. Aber: Meditation ist kein Entspannungsritual, sondern ein Wahrnehmen. Und manchmal nehmen wir eben Unruhe wahr. Spannung. Chaos.
Vor allem, wenn innerlich gerade viel los ist, kann Meditation am Anfang sogar eher „ungemütlich“ wirken – ganz normal.
02 - Wir denken, wir dürfen keine Gedanken haben
Viele glauben, Meditation heißt, den Kopf „abzuschalten“. Aber das ist gar nicht das Ziel. Es geht eher darum, Gedanken zu bemerken, ohne ihnen automatisch zu folgen – sie da sein zu lassen, ohne sie festzuhalten. Wahrzunehmen, dass Gedanken kommen, aber auch wieder gehen.
03 - Wir halten unsere Gedanken für Wahrheiten
Viele von uns glauben unbewusst: „Was ich denke, bin ich.“ Aber das stimmt nicht. Gedanken sind erstmal nur Gedanken – Angebote des Gehirns, nicht Fakten. Und genau hier kommt eine Essenz, die für mich damals ein echter Gamechanger war:
„Die Lösung findest du nicht in deinen Gedanken.“
Ich habe jahrelang versucht, alles im Kopf zu lösen. Gedanken erzeugen aber nur neue Gedanken – oft Variationen der gleichen Angst oder Unsicherheit. Kein Wunder, dass wir uns darin verlieren.
Wenn du erkennst, dass Gedanken nicht automatisch die Wahrheit sind, öffnet sich ein neuer Raum: Du musst ihnen nicht folgen. Du kannst sie bemerken – und wieder loslassen. Genau das ist die Lernaufgabe von Meditation.
„Die Lösung findest du nicht in deinen Gedanken.“
NOW - einfach aber wirkungsvoll
Statt dich stundenlang zum Meditieren zu zwingen, möchte ich dir eine einfache Übung mitgeben, die du sowohl in der Meditation als auch mitten im Alltag nutzen kannst.
Wenn du merkst, dass dein Kopf wieder anfängt zu kreisen, erinnere dich an NOW – eine kleine Praxis, die dich Schritt für Schritt zurück zu dir bringt:
- N – Notice your thoughts
Erkenne, was gerade in deinem Kopf passiert. Sag dir: „Ah, das ist ein Gedanke an …“. In diesem Schritt geht es nur darum, den Gedanken als das zu erkennen, was er ist – ein Gedanke, nicht automatisch die Wahrheit.
Beispiel: In deinem Kopf taucht eine Szene auf, in der du im Meeting versagst und dich blamierst. Statt den Gedanken weiter auszumalen, stellst du einfach fest: „Aha, das ist ein ängstlicher Gedanke an…“ oder „Okay, das ist wieder ein kleiner Weltuntergangsgedanke.“ Du kannst solchen Gedanken auch Namen geben – das schafft Abstand und macht es leichter, sie einzuordnen. - O – Open to what you feel and need
Spür nach: Was fühle ich dabei? Und was brauche ich gerade? Erlaube dir, das einfach wahrzunehmen, ohne es sofort verändern zu müssen. Es geht darum, deine Gefühlswelt zu erforschen und die Bedürfnisse hinter deinen Gedanken und Empfindungen besser zu verstehen.
Beispiel: Wenn dieser Gedanke auftaucht, fühlst du dich vielleicht ängstlich. Das ist okay. Wahrscheinlich versucht dein Kopf, Sicherheit zu finden oder Strategien zu entwickeln, um für den Worst Case gewappnet zu sein. Es ist okay so zu fühlen. - W – Way back to the moment
Atme mit dem, was da ist, und erlaube dir, dabei sanft & wohlwollend mit dir zu sein. Nutze deinen Atem ganz bewusst. Spür deinen Körper und vor allem den Kontakt zum Boden – wie deine Füße oder dein Becken getragen werden. Diese kleine Erdung kann besonders bei ängstlichen Gedanken stabilisieren. Wenn du magst, schau dich kurz um, nimm Farben, Formen, Geräusche wahr. All das hilft dir, deinen Weg zurück in den Moment zu finden und dich wieder im Hier & Jetzt zu verankern.
Diese kleine NOW-Praxis kannst du jederzeit anwenden – beim Spazieren, im Büro oder vorm Einschlafen. Meditation darf wachsen. Fang klein an, finde dein eigenes Tempo und mach’s dir schön dabei: zünd dir eine Kerze an, leg Musik auf, die dich trägt, oder bewege dich ein bisschen, bevor du dich hinsetzt. Du darfst dich auch währenddessen bewegen – Meditation muss kein starres Sitzen sein, sondern ein Weg, dich selbst besser zu spüren und dich mit deinem Körper zu verbinden.
Mikro-Meditation für den Alltag
Und vielleicht das Wichtigste: Du brauchst dafür weder ein Meditationskissen noch irgendein ChiChi. Die NOW-Praxis funktioniert überall – besonders dann, wenn du merkst, dass du dich gerade in einem angstvollen Gedanken verfängst.
Denn das Hinterlistige im Alltag ist oft: Wir hinterfragen unsere Gedanken nicht, sondern nehmen sie einfach als Wahrheit hin. Wenn du also spürst, dass du gestresst, angespannt oder ängstlich bist, frag dich: Was erzähle ich mir gerade innerlich für eine Geschichte?
Erkenne den Gedanken, atme – und kehre mit NOW wieder zu dir zurück. Mit der Zeit wirst du merken, wie du Gedankenschleifen viel schneller erkennst und dich sanft davon lösen kannst.
Ich wünsche dir viel Freude beim Ausprobieren.
Meditation darf wachsen. Fang klein an, finde dein eigenes Tempo.
Reminder für den alltag
Wenn du magst, kannst du die Grafik als Screensaver auf deinem Smartphone speichern – so wirst du immer wieder daran erinnert und kannst nebenbei üben. Für die hochauflösende Version klick einfach auf Herunterladen.
Gemeinsame Schritte
Und wenn du merkst, dass du oft im Gedankenkarussell hängst oder stark an dir zweifelst, kann psychosoziale Beratung eine wunderbare Ergänzung zur Meditationspraxis sein. Lass uns gern ins Gespräch kommen.
Ich freue mich auf dich.

