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Vor einiger Zeit konnten sich viele von uns nicht vorstellen KI & Co zu nutzen. Mittlerweile ist sie Teil unseres Alltags – eine schnelle Frage hier, die Formulierung eines Textes da, bis hin zu intimen Fragen oder Ängste, die uns beschäftigen.
So schön, so gut – das hier wird kein feindseliger KI-Blogartikel, sondern ein Aufmerksam machen besonders für Menschen, die zum Grübeln und zu Gedankenschleifen neigen, um sich in ChatGPT & Co nicht zu verlieren.
Warum Fragen kurzfristig beruhigen
Falls du Chatbots & Co. nutzt, kennst du vielleicht das Gefühl, dich in ihnen ein wenig zu verlieren. Eine Frage führt zur nächsten, und auf einmal hat man eine ganze Weile damit verbracht. Die ersten Antworten bringen noch ein wenig Befriedigung und Erleichterung mit sich – irgendwann jedoch kommt die Ernüchterung. Der Kopf ist weiterhin voll und das Gedankenkarussell dreht sich weiter. Wir könnten unendlich viele Fragen stellen, aber dieses befreiende Gefühl taucht nicht auf.
Was häufig hinter dem Fragen-Loop steckt:
- Unsicherheit
- Entscheidungsangst
- Perfektionismus
- Bedürfnis nach Kontrolle
- Angst vor Fehlern
In unserem Gehirn passiert ganz vereinfach gesagt Folgendes: Jedes Mal, wenn wir auf eine Frage eine passende Antwort erhalten, aktiviert sich ein kleiner Belohnungseffekt. (Ein ähnlicher Mechanismus wie beim ständigen Googeln von Symptomen oder beim Social-Media-Check.)
Die unendliche Suche nach Sicherheit
So wie auch Overthinking eine Bewältigungsstrategie unseres Gehirns ist, um mit Unsicherheit umzugehen. Verhält es sich mit Chatbots sehr ähnlich:
Was ich bei mir beobachte, ist, dass ich, auch wenn mir vollkommen bewusst ist, dass mir die KI weder die Zukunft vorhersagen noch Entscheidungen abnehmen kann – trotzdem dazu tendiere, immer mehr zukunftsgerichtete Fragen zu stellen. Als wäre die KI ein Orakel, das hoffentlich mehr (Gutes) weiß als wir Menschen im Moment.
Rational betrachtet wissen wir natürlich, dass die KI das nicht wissen kann. Und trotzdem gibt es diese unterbewusste Hoffnung, Erleichterung zu finden und Verantwortung abzugeben.
Gleichzeitig liegt genau darin der Hund begraben: wenn wir bei persönlichen Anliegen beginnen, mehr auf KI zu vertrauen als auf unsere eigene Wahrnehmung und unser Gefühl. Denn das ist eine der wenigen Fähigkeiten, die sie uns nicht abnehmen kann – und das ist auch gut so. Sie kann uns in vielen Bereichen unterstützen, aber fühlen bleibt unsere Aufgabe.
„Wenn wir KI mehr Vertrauen als uns selbst.“
Was wir eigentlich brauchen
Wir leben in einer hochtechnologisierten Welt, die immer produktiver wird – Menschen werden aber nicht im gleichen Ausmaß glücklicher. Gerade in Zeiten, in denen sich trotz Social Media und Co. so viele Menschen einsam fühlen, braucht es genau das, was uns ChatGPT & Co. nie geben können wird und auch nicht muss:
Menschlichkeit
Von Mensch zu Mensch
Echten Austausch. Mimik und Gestik. Gemeinsames Lachen. Berührungen und Umarmungen.
Was man im Therapie- und Beratungssetting auch Co-Regulation nennt. Unsere Nervensysteme regulieren sich gegenseitig. Wir kommen in den Armen eines anderen Menschen zur Ruhe.
Das ist auch das, was ich eingangs bezüglich Overthinking meinte: Diese Antworten werden wir nicht zu 100 % in der KI finden. Ja, sie kann uns dabei unterstützen – aber sie kann uns das Fühlen, die Resonanz, die in uns entsteht, wenn sich etwas echt und wahr anfühlt, nicht abnehmen.
Liebevoller Reminder für den alltag
Wenn du bemerkst, dass du im Tunnel mit ChatGPT verschwindest – die Antwort findest du weder in deinen Gedanken noch in irgendeinem Chatbot, sondern in deinem Körper, wenn etwas weit, warm oder offen wird.
Um wieder mehr Bewusstsein in deinen Körper einzuladen, können schon ganz „banale“ Dinge helfen: ein bewusster Atemzug, die Füße am Boden spüren oder dich sanft zu bewegen.
Gemeinsame Schritte
Wenn du merkst, dass du dich öfter im Gedankenkarussell verlierst und dir mehr innere Klarheit und Sicherheit wünschst, kann psychosoziale Beratung dich dabei unterstützen, wieder mehr bei dir anzukommen.
Lass uns gern ins Gespräch kommen. Ich freue mich auf dich.

